Symbolisierungslust V
Es ist schon erstaunlich, welche Symbolisierungslust dem Menschen mitgegeben ist. Wer solche starke Neigung hat, sollte eigentlich wissen, was er da macht: meinen, meinen und noch mal meinen. Das hat ihn natürlich befähigt, der rauen Tatsächlichkeit dann und wann ein Schnippchen zu schlagen und sich im Palaver mit seinen Artgenossen über Motivationen klar zu werden, soll heißen: sie im Gemeinten wieder zu spiegeln, zu reflektieren. Da das Streben nach Wohlsein eine weitere hoch energiegeladene Kraft im Menschen ist, kam dabei eben das heraus, was wir heute eine friedliche Zivilisation nennen könnten, wenn diese beiden Strebungen voll zum Tragen gekommen wären.(noch mehr Energie hinter sich gehabt hätten)
Also das Symbolisieren ist spezifisch menschlich und unbedingt nötig. Paulus(…). Aber wissen und fühlen, was es eigentlich ist, befähigt den Menschen noch einmal mehr, etwas Gutes daraus zu machen und auf die Fallstricke zum Wahn hin zu achten. Auch das Manipulative der Massenmedien, ja das arbeitsteilige Symbolisieren überhaupt, entmachtet (entfremdet im banalsten Sinn: lässt es von Fremden machen) den Einzelnen von seiner ureigensten spezifisch menschlichen Fähigkeit. Das ist die Manipulation. Viele denken, es wäre die Manipulation eine Geheimwissenschaft von Mächtigen. Nichts da: allein die Bereitschaft, sich vorsymbolisieren zu lassen, ist die Achillesverse der Selbstbestimmung—Manipulation wird gerade zu konsumiert. Jene, die glauben, keine multimedialen Kompetenzen zu haben, sollten stattdessen stolz darauf sein, zu reden, mit wem, worüber auch immer, solange sie über Dinge, die sie und ihre Mitmenschen betreffen, reden; denn dann sind sie näher am Leben, ihrem und ihrer Nächsten Leben, näher als Fernsehzuschauer, Fernsehmacher, Filmkonsumenten, Filmemacher, Webnutzer, Webcracks.
Aber: das gilt auch für alle anderen persönlich/körperlichen Symbolsysteme! (Körperliche Aktion, alltägliches Ritual, Mimik, Gestik, Bewegung…) Selber von sich aus mit seinen Ausdrucksmöglichkeiten aussenden, aus der Mitte heraus! Sonst wird man zur Marionette. Erst dann kann man Technik zu Hilfe nehmen und mit denen Kultur leben, die selbige Technik auch beherrschen—in des Wortes zweifacher Bedeutung.





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