Die gemeinsame Beschaffung politischer Information
Zu Zeiten des Infooverflows, der Desinformation und der Fake News ist es für den Bürger einer Demokratie notwendiger denn je, selbst Strategien der Informationsbeschaffung und ‑Bewertung zu entwickeln.
(Warum die alte Internetrecherche mit Lesezeichen ausgedient hat und sich dazu ein Blog besser eignet, wird in diesem Artikel diskutiert.)
Mit „Bürgern“ sind hier auch Blogger gemeint; ja, Blogger sind Bürger! Die spezifische Arbeit von Autoren und Journalisten mag in diesem Zusammenhang wichtig sein, ist hier aber nicht Thema; denn im Unterschied zum eigenen Informationsmanagement ist sie ja nicht von der Vielzahl der Blogger qualifizierbar. Es geht hier um die Qualifizierung der für ein Projekt oder eine Themenarbeit notwendigen Information.
Es ist von vorneherein klar, dass ein gutes Informationsmanagement mehr Zeit und Arbeit kostet als der herkömmliche Nachrichtenkonsum, ( zu dem auch noch einiges zu sagen wäre). Und Arbeit ruft nach Kollaboration. Wo steht geschrieben, dass jeder für sich allein mit dem Infooverflow fertig werden muss? Der Medien-Konsument als Solo-Person ist überholt! Politische Information ist nicht individuell. Warum soll sie jeder für sich alleine in ein Kenntnisfeld einbauen, welches einem Interesse dient, das ja auch meistens sehr viele gemeinsam haben.
So wie es zwischen dem Einzelnen und der Partei eine Zwischenebene gibt, nämlich die Arbeitsgruppe, so sollte zwischen dem Einzelnen und den Medien die Info-Gruppe unseren Kenntnisstand arbeitsteilig qualifizieren.
Das Rad des Informationsmanagements muss nun aber nicht neu erfunden werden. Man kann hier natürlich das wissenschaftliche Arbeiten zum Vorbild nehmen. Seine zehn Pflichten:
selbst wissenschaftlich arbeiten
- 1. Richtig zitieren,
- 2. Quellen angeben und
- 3. auch die Quellen bewerten,
- 4. Archivierung (z. B. in einer Datenbank) und
- 5. Kuratierung (z. B. Präsentation der wichtigsten Ergebnisse in einem Blog) mit
- 6. Verschlagwortung und
- 7. Kategorisierung – das alles
- 8. thematisch fokussiert.
- 9. Möglichst breit diskutieren und
- 10. korrigieren.
Genauso wie größere Projekte mehrere Menschen hinter einem Ziel vereinen, so kann doch eigentlich auch die projektbezogene Informationsverarbeitung nicht Sache eines einzelnen Menschen allein sein. Das heißt: mehrere Menschen brauchen einen Zugriff auf einen Datenbestand. Dazu braucht es Regeln für den gemeinsamen Umgang mit z.b. einer Datenbank. Eine solche Regel wäre das Gebot, alle Einträge zu verschlagworten und zu kategorisieren. Das macht natürlich Arbeit, aber diese Arbeit verhindert, dass nach Lust und Laune viel zu viel Einträge gemacht werden. Der genau dadurch entstehende Infooverflow war in vergangenen Internetseminaren eine Plage. Das Absaufen in einer Copy-and-paste-Orgie muss unbedingt verhindert werden.
Gut geeignet für ein gemeinsames Informationsmanagement wäre eine gemeinsame WordPress-Installation. In Facebook Gruppen ist die Kategorisierungsmöglichkeit beschränkt und eine Verschlagwortungsmöglichkeit besteht nicht.
„Ach! Dafür habe ich doch überhaupt keine Zeit!“
Die Zeit, die sich die meisten Menschen für den Medienkonsum nehmen, ist ungeheuerlich. Hier ist der einfache Vorschlag, die Zeit des Medienkonsums zu halbieren und die freigewordene Halbzeit für die Qualifizierung der Informationsverarbeitung zu benutzen.
Manche Themen begleiten einen das ganze Leben lang. Man kann also dazu Projekte konzipieren und dürfte sich nicht wundern, wenn das dazu nötige Informations-Management ebenfalls lebensbegleitend ist. Bei solchen Themen ist eine gespeicherte Bearbeitung wie eine Geldanlage, die Zinsen abwirft.
Dazu eignet sich WordPress hervorragend. Überhaupt kann digital asynchron gearbeitet werden, das heißt, unterschiedliche Menschen können zu unterschiedlichen Zeiten am Thema arbeiten. Kategorisierung und Verschlagwortung ermöglichen es, zu verhindern, das altes Wissen noch einmal wiederholt wird oder in Vergessenheit gerät. Und auch nur dann können sich die Diskussionsteilnehmer in das, was ihre Kollegen erarbeitet haben, stimmig einklinken.
Wenn man skeptisch ist, dass von mehreren Menschen eine gemeinsame Wissensdatenbank erstellt werden kann, gar über viele Jahre hinweg, und vielleicht ohne eine Art Seminarleiter, dann kann auch jeder seine eigene WordPress Installation haben, und im Wesentlichen für sich alleine arbeiten. Nur müssen dann immer alle Teilnehmer ihre wichtigen Beiträge für die anderen veröffentlichen, inklusive Schlagworte, Kategorien, Quellenangaben, ‑bewertungen…
Das hat den Vorteil dass auch leicht neue Personen an der Diskussion teilnehmen können. Überhaupt kann es ja bei bestimmten Themen sehr nützlich sein, wenn viele Menschen von diesbezüglichen Erkenntnissen profitieren können. Insbesondere bei politischen Dauerthemen wie Mietenproblematik, Klimawandel, Afghanistan-Konflikt, ist es ja nur wünschenswert, wenn viele Personen an der informationellen Unterfütterung von Projektkonzepten mitwirken.
Wie können Blogger untereinander kommunizieren?
Niedrigschwellig:
- Kommentare auf dem jeweiligen Blog hinterlassen
- Gegenseitig verlinken und den anderen darüber informieren (Trackbacks, oder einfach eine kurze Mail)
Community-orientiert
- Facebook-Gruppen – noch immer aktiv, themenspezifisch
- Reddit – je nach Nische sehr lebendig
- Discord-Server – für engere Blogger-Communities
Professioneller
- LinkedIn – besonders wenn der Blog auch beruflich positioniert ist
- Gastbeiträge tauschen – du schreibst auf dem anderen Blog, er auf deinem. Gut für SEO und Reichweite
Ohne die großen Plattformen:
- Blogrolls – gegenseitige Linklisten, erlebt gerade eine kleine Renaissance
- Newsletter-Erwähnungen – gegenseitig in den Mailinglisten empfehlen
- parallel eine Mailingliste
- Zugangscode / geschützte Beiträge – WordPress hat das eingebaut. Für exklusiven Content für Kursteilnehmer oder Newsletter-Abonnenten gut geeignet.
- Pingbacks = Trackbacks – Wenn Blog A auf Blog B verlinkt, benachrichtigt WordPress Blog B automatisch. Blog B kann den Pingback dann als Kommentar anzeigen. Funktioniert aber nur wenn beide Seiten WordPress nutzen und Pingbacks aktiviert haben – in der Praxis oft deaktiviert wegen Spam, hier haben wir es aber mit kleinen Nutzergruppen zu tun.
Eigenes Forum:
- bbPress – WordPress-Plugin, kostenlos, integriert sich nahtlos. Für eine kleine Community ausreichend
- BuddyPress – einen Schritt weiter, macht WordPress zu einem sozialen Netzwerk mit Profilen, Gruppen, Nachrichten
- Discord – außerhalb von WordPress, aber viele Communities laufen dort weil es niedrigschwelliger ist als ein eigenes Forum zu pflegen.
Partieller Zugriff auf das Backend: Bei Vertrauen kann auch ein Blog gemeinsam bearbeitet werden.

